Tag der Pflege: Nur „Dankeschön“ ist viel zu wenig!

  • 12. Mai 2015
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Tag der Pflege: Nur „Dankeschön“ ist viel zu wenig!

Heute ist der «Tag der Pflege». In den Medien, Spitälern, Heimen und Spitex-Organisationen wird aus diesem Grund den Pflegenden gedankt für ihren enorm wichtigen Einsatz. Dieses Dankeschön haben sich die Frauen und Männer verdient, die sich im Auftrag der Gesellschaft – also in unserem – um Kranke und Schwache kümmern. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe unter zunehmend anspruchsvollen Bedingungen. Zeichen für die wachsende Belastung der Pflegenden ist die relativ hohe Fluktuation. Neben der grossen Verantwortung leisten die Pflegenden auch körperliche Schwerarbeit. Der Spardruck in den Spitälern führt zu zusätzlicher Hektik und noch höheren Anforderungen in der Akutpflege. Auch im Spitex-Bereich wächst der Druck, weil einerseits die Patientinnen und Patienten immer früher aus den Spitälern entlassen werden, die Spitex-Mitarbeitenden aber trotz der höheren pflegerischen Anforderungen aus ökonomischen Gründen zunehmend «minütelen» müssen.
Die Organisation und Finanzierung der Pflege gehören zu den ganz grossen aktuellen Themen unseres Sozialsystems. Wir werden immer älter. Eine Folge nicht nur des gestiegenen Wohlstands, sondern auch des medizinischen Fortschritts. Wir bleiben glücklicherweise länger gesund als unsere Vorfahren. Trotzdem steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen älteren und alten Menschen. Die Ansprüche, Notwendigkeiten und Herausforderungen nehmen zu und werden sich in Zukunft noch schneller wandeln als bisher. Die bestehenden Modelle der Alterspflege stossen an ihre Grenzen. Das ominöse Wort vom «Pflegenotstand» ist längst mehr als eine leere Drohung.

Das «Schweizerische Gesundheitsobservatorium» geht davon aus, dass die Schweiz bis in fünf Jahren 25000 zusätzliche, qualifizierte Pflegekräfte braucht. Bereits heute müssen unsere Spitäler über die Hälfte des Pflegepersonals aus dem Ausland rekrutieren, weil es in der Schweiz an einheimischen Fachkräften mangelt.
Es ist fahrlässig, davor die Augen zu verschliessen. Und es ist grobfahrlässig so zu tun, als könne man mit Sparprogrammen auf dem Buckel der Pflegenden und der auf Pflege Angewiesenen die aktuellen und die kommenden Probleme lösen. Zum Glück gibt es auf politischer Ebene durchaus auch einige Lichtblicke. So hat zum Beispiel die nationalrätliche «Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit», deren Mitglied ich bin, sich deutlich für die gesetzliche Anerkennung der Verantwortung der Pflege ausgesprochen. Damit soll die Stellung der Fachpersonen in der Akut-, Langzeit- und Spitexpflege verbessert werden. Aber es gibt leider auch viel Schatten. Noch viel zu oft wird auf die gestiegenen Anforderungen mit plumpen Sparappellen reagiert – ganz so, als wäre auch nur eine einzige Pflegestunde weniger notwendig, wenn man den Zugang dazu erschwert.

Machen wir uns nichts vor: die Kosten für die Pflege werden weiter steigen, weil mehr gepflegt werden muss. Das ist kein Drama, es gibt keinen Grund in finanzpolitische Panik zu verfallen. Wir müssen ganz einfach die Strukturen an die neuen Gegebenheiten anpassen und die Finanzierung sauber und fair regeln. Das Leitmotiv aller Bemühungen muss dabei sein: In der Schweiz soll und darf sich niemand aus finanziellen Gründen fürchten müssen, alt, krank oder gebrechlich zu werden. Dafür braucht es gut ausgebildete, fair entschädigte Pflegefachkräfte, die unter Bedingungen arbeiten können, die nicht gesundheitsgefährdend und bis zum Burnout überbelastend sind.

Es ist richtig, wenn wir am heutigen «Tag der Pflege» allen Pflegenden «Danke» sagen für ihren Einsatz. Wichtig ist aber, dass wir uns auch im politischen Alltag an die schönen Worte erinnern, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen und die Infrastruktur in der Pflege zu verbessern. Schenken wir den Pflegenden endlich die verdiente ökonomische und gesellschaftliche Wertschätzung. Die haben sich die Pflegenden mehr als verdient. Ich jedenfalls sage heute «Danke» – und setze mich weiterhin, nicht nur heute, sondern auch das ganze Jahr hindurch konkret für eine fortschrittliche Pflegepolitik ein.

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