Daten sammeln gegen Krebs

  • 23. März 2015
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Jetzt kommt es – endlich – das Krebsregister. Das freut mich enorm. Ein nationales Krebsregister bringt mehr Kenntnisse über Veränderungen und Häufungen bestimmter Krebsarten, die Möglichkeit Versorgungsstrukturen und Therapieansätze in ihrer Wirksamkeit zu verbessern, die Chance auf neue Erkenntnisse und Fortschritte in Prävention, Früherkennung und Behandlung. Schlicht, Krebserkrankungen besser zu verstehen und erfolgreicher zu bekämpfen. Den Wert eines Registers, das alle Krebserkrankungen in der Bevölkerung erfasst, hat man früh erkannt. 1926 schon in Deutschland, 1940 in den USA und 1970 in Genf als erstem Schweizer Kanton. Dennoch brauchte es unzählige Aktionen. Berichte und politische Interventionen in den Kantonsparlamenten und beim Bund bis zum vorliegenden konkreten Projekt. Hoffentlich gelingt es!

Eckpfeiler der Nationalen Qualitätsstrategie: das Nationale Qualitäts-Krebsregister

Obwohl Krebs die zweithäufigste Todesursache ist und durch diese vielgestaltige Krankheit am meisten Lebensjahre verloren gehen, gibt es noch immer keine schweizweit einheitliche und flächendeckende Erfassung der Erkrankungen. Das habe ich nie verstanden. Denn je mehr die Medizin weiss, desto gezielter kann sie behandeln. Je mehr die Politik weiss, umso mehr kann sie für die Krebsbekämpfung tun. Das Projekt Krebsregistrierungsgesetz regelt nun die flächendeckende, vollzählige und vollständige Erfassung aller Krebserkrankungen in der Schweiz. Mehr noch. Es sichert erstens die Existenz des nationalen Kinderkrebsregisters für die Zukunft und trägt damit den besonderen Aspekten der Erkrankungen im Kindesalter Rechnung. Zweitens ermöglicht die gesetzlichen Verankerung des Krebsregisters als Qualitätsregister, Datengrundlagen zu schaffen über die ganze Behandlungsdauer und Behandlungskette, Datengrundlagen für die Versorgungs- und Diagnosequalität sowie für Beurteilung der Wirksamkeit verschiedener Therapieansätze. Solche Daten sind absolut zentral für das, was dringend nötig ist, für eine wissensbasiertere Gesundheitspolitik. Das geplante Nationale Qualitäts-Krebsregister wird damit zu einem wichtigen Element der bundesrätlichen „Nationalen Qualitätsstrategie im Schweizerischen Gesundheitswesen“ beim Bund und in den Kantonen. Davon profitieren vor allem die Patientinnen und Patienten.

Alles auf guten Wegen also?

Das wäre zu hoffen. Doch noch immer gibt es ein paar Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und Widerstände zu überwinden. So befürchtet die Ärzteschaft einen Mehraufwand für das Erfassen der Daten, den ihnen niemand vergüten will. Äusserst kritisch beurteilt sie die Erwartung, dass in absehbarer Zeit in allen Praxen und Kliniken die nötigen Informatiksysteme vorhanden sind. Was in unserem Informatikzeitalter doch einigermassen erstaunt!

Die Kantone stossen sich daran, dass die neu vollumfänglich für die Kosten der kantonalen Krebsregister aufkommen sollen. Der Wegfall des Bundesbeitrags, der bisher bis zu einem Drittel des Registerbudgets ausmachte, würde einige Krebsregister vor finanzielle Probleme stellen. Hier muss dringend eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden werden. Jahrelang haben verschiedene Kantone die Realisierung von Krebsregistern verhindert. Wertvolle Zeit wurde damit vertan. So darf es nicht weitergehen. Wenn der Bund mehr zahlt, kann er auch mehr steuern. Die Fortschritte in der Krebsbekämpfung, die sich mit dem nationalen (Qualitäts-) Krebsregister eröffnen, wiegen die geringe Mehrbelastung des Bundeshaushaltes längstens wert. Nur jetzt nicht «schmürzele», denn diese Chance auf neue Erkenntnisse und eine Verbesserung der Qualität, auf weitere Erfolge in der Behandlung von Krebserkrankungen gilt es zu nutzen! Wir brauchen dieses Krebsregistergesetz! Es kann aber nur dann eine Erfolgsgeschichte werden, wenn alle politischen Kräfte am selben Strick ziehen.

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