Erste politische Erfolge im Kampf gegen den Pflegenotstand

  • 04. Juli 2010
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In allen Versorgungsbereichen des Gesundheitswesens in der Schweiz zeichnet sich immer deutlicher ein Personalmangel ab. Zunehmend wird es schwerer oder unmöglich, freie Stellen mit qualifizierten Pflegefachkräften zu besetzen. Jährlich fehlen rund 5‘500 Berufsleute um den akuten Personalmangel zu beseitigen. Es gilt

  1. mit einer Bildungsoffensive und Investitionen in die Zukunft Gegensteuer zu geben, um einem Pflegenotstand zu verhindern.
  2. die Voraussetzung zu schaffen, dass die Pflegeberufe attraktiver werden und die Pflege wieder vermehrt zum Berufsziel wird

ExpertInnen mahnen an, dass sich die Lage verschlimmert, werden nicht aktiv Massnahmen zur  Ausbildung von Personal und zur Wiederaufwertung der Gesundheitsberufe ergriffen. Zusätzlich verschärft wird die Situation, weil die Patientinnen und Patienten älter werden und die Hospitalisationsdauer laufend verkürzt wird. Der medizinische und pflegerische Bereich läuft Gefahr, früher oder später vom Pflegenotstand erfasst zu werden – Spitäler ebenso wie die Spitexdienste und Alters- und Pflegeheime.
In der Schweiz sollten 2‘500 zusätzliche Personen pro Jahr auf Tertiärstufe ausgebildet werden. Doch es sind lediglich deren 2‘100 pro Jahr.
Ebenso beunruhigend ist die Tatsache, dass es jedes Jahr 300 bis 400 Ärzte zu wenig gibt.
Insgesamt fehlen also jährlich fast 5‘500 diplomierte Arbeitskräfte.

Das heisst: Die Schweiz bildet zu wenig Personal im Gesundheitswesen aus– und zwar auf allen Stufen. Heute zehrt das schweizerische Gesundheitssystem in sämtlichen Bereichen von einem beträchtlichen Prozentsatz ausländischen Personals. Die Situation ist ernst: Die Schweiz als eines der reichsten Länder der Erde, erlaubt es sich, das Potenzial an Ärzten und  Pflegepersonal anzuzapfen, welches in unseren Nachbarländern ausgebildet wird. Ja, nach neusten Meldungen plant der Bund gar Pflegepersonal im asiatischen Raum zu rekrutieren. Die Schweiz löst damit eine äusserst ungesunde Kettenreaktion aus. Die Rechnung dafür müssen die ärmeren Länder begleichen. Das ist ethisch unhaltbar! Sowohl für die Gesundheits- und Pflegeversorgung in diesen Ländern wie auch gegenüber den zu Pflegenden in unserem Land. Die Kommunikation, das sich gegenseitig verstehen können, ist ein zentraler Punkt in der Pflege.

Der Mangel an Hausärzten und an qualifiziertem Personal bedroht die Qualität der Gesundheitsversorgung. Die Politik muss Lösungen entwickeln ehe es zu spät ist. Sie muss jetzt handeln. Die Gründe für den Personalmangel sind vielfältig. Zum einen sind die Berufsbedingungen oft unbefriedigend, die Arbeit wird immer hektischer, die Anforderungen nehmen zu und die Belastung ist hoch und wird weiter steigen. Weil im Pflegeberuf vor allem Frauen arbeiten, sind die Löhne tief. Die Arbeitszeiten erschweren es zudem, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Die Einführung der neuen Spitalfinanzierung (DRG) wird in den Schweizer Spitälern die Hospitalisationsdauer weiter verkürzen. Dies wird zur Folge haben, dass die Alters- und Pflegeheime sowie die Spitexdienste mehr Patientinnen und Patienten zugewiesen bekommen und entsprechend mehr Pflegepersonal brauchen.

Darum müssen die Gesundheitsberufe attraktiver gemacht werden, in die Aus- und Weiterbildung muss investiert werden, interessierten Personen die Gelegenheit zum Quereinstieg und einer zweiten Berufsausbildung gegeben und auf kantonaler Ebene braucht es eine systema-tische Planung, wie viel Personal für eine gute Pflegeversorgung notwendig ist. Insbesondere sind alle Pflegeinstitutionen in die Ausbildungspflicht einzubeziehen, indem die Leistungsver-träge oder die Aufnahme auf die Spitalliste mit einer Verpflichtung zum Anbieten von Ausbildungsplätzen verknüpft wird.

In diesem Sinne hat der Bundesrat folgende 2 Postulate zur Annahme empfohlen und der Nationalrat hat sie in der Sommersession überwiesen.

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