Pflegenotstand droht

  • 22. Mai 2010
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Pflegenotstand droht

Kürzlich veröffentlichte Economiesuisse die Studie «Nutzenorientierter Wettbewerb im Gesundheitswesen». Für einmal ging es nicht um den Kostenwettbewerb, sondern um den Patientennutzen.

Entscheidend sei, sagte Elizabeth Teisberg, die Autorin der Studie, wie die Qualität der Gesundheitsversorgung erhalten und verbessert werden könne. Je mehr sich die Gesundheitspolitik auf die Kostendämmung ausrichte, umso schneller drehe sich die Kostenspirale nach oben. Die SP kämpft seit Jahren für eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung, denn Qualität spart Kosten. Dass der Bund endlich eine nationale Qualitätsstrategie erarbeitet und ein Präventionsgesetz bringt, ist allein der SP zu verdanken. Anlässlich des Symposiums für Qualitätsmanagement interessierten weniger die Thesen Teisbergs als vielmehr die absolute Dringlichkeit der klinischen Qualitätsforschung. Für Aufsehen sorgte die wissenschaftliche Studie zur Spitalfinanzierung mit DRGs. Diese Fallkostenpauschalen führen zu verfrühten Entlassungen, erhöhter Sterblichkeit kurz nach dem Spitalaufenthalt, vermehrten Rückfällen und vorzeitiger Verlegung ins Pflegeheim. Warum aber war die Pflege kein Thema an diesem Symposium? Die Verkürzung der Spitalaufenthaltsdauer verlangt mehr und noch intensivere Pflege. Die Arbeit wird strenger, hektischer. Schon heute wirft die neue Spitalfinanzierung ihre Schatten voraus: Verschiedene Kantone bauen Personal ab, ersetzen gut qualifiziertes durch billigeres Personal. Der Pflegeberuf büsst weiter an Attraktivität ein, der Personalmangel verschärft sich. Bis 2020 braucht es mindestens 25 000 zusätzliche Pflegende, sonst droht ein Pflegenotstand. Zurzeit werden in der Schweiz jährlich 4600 Personen zu wenig ausgebildet. Wer für alle eine gute Gesundheitsversorgung will, muss eine gute pflegerische Versorgungsqualität unterstützen und, angesichts des sich abzeichnenden Mangels, jetzt in die Pflegeversorgung investieren. Es braucht dringend zusätzliche Ausbildungsplätze, Umschulungs- und Weiterbildungsangebote in Spitälern, Spitex und Heimen, die Verdienstsicherung während der Umschulung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Massnahmen, die dazu dienen, dass einmal ausgebildetes Personal länger im Beruf bleibt. Bund und Kantone stehen gemeinsam in der Verantwortung.

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Bea Heim im „Links“ im Mai 2010

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