Verbrauchsangaben bei Personenwagen

  • 17. März 2009
  • Fragestunde Bundesrat
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Eingereichter Text
Der Bundesrat wird gebeten, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

1. Trifft es zu, dass die Angaben über den Normverbrauch von Personenwagen, die auf einem Rollenprüfstand gemessen werden, mit dem effektiven Verbrauch nicht übereinstimmen bzw. zu tief sind, weil die Messung unter im Alltag unrealistischen „Laborbedingungen“ erfolgt?

2. Muss das Fahrprofil des sogenannten NEFZ als veraltet beurteilt werden, weil es z. B. vorsieht, dass die heute übliche Klimaanlage bei der Prüfung ausgeschaltet wird?

3. Teilt er die Auffassung, dass Angaben, die mit dem effektiven Verbrauch nicht übereinstimmen, irritieren und dem Umweltbewusstsein einen schlechten Dienst erweisen, ja fatale Folgen haben und die Erreichung des Klimaziels zusätzlich erschweren?

4. Wann führt auch die Schweiz Verbrauchsprüfungen unter realistischen Bedingungen durch?

5. Ist er bereit, sich für je nach Fahrzeuggrösse abgestufte Fahrzyklen wie in Europa bei den Motorrädern einzusetzen, da bekannt ist, dass kleine Fahrzyklen andere Streckencharakteristiken aufweisen als mittlere oder grosse?

6. Ist er bereit, sich sowohl in der Schweiz wie auch in Europa für den wesentlich realitätsnäheren amerikanischen Fahrzyklus CADC einzusetzen?

Antwort des Bundesrates vom 06.05.2009

1. Die Angabe des Normverbrauchs soll es primär ermöglichen, die verschiedenen Fahrzeugmodelle miteinander zu vergleichen. Der effektive Treibstoffverbrauch ist aber stark von der Fahrweise abhängig. Auch die Einsatzbedingungen eines Fahrzeugs (z. B. Beladung, Dachträger, häufige Kurzstrecken usw.) wirken sich wesentlich auf den Verbrauch aus. Deswegen kann eine standardisierte Verbrauchsmessung nie einen allgemeingültigen Praxiswert ergeben. Es trifft unter diesen Umständen zu, dass der im neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ermittelte Verbrauch in der Praxis nur unter optimalen Bedingungen erreicht wird.

2. Es steht ausser Zweifel, dass der Betrieb der Klimaanlage den Verbrauch erhöht. Tatsache ist auch, dass zum Zeitpunkt, als die Messbedingungen für den NEFZ festgelegt wurden, Klimaanlagen noch nicht so stark verbreitet waren wie heute. Moderne Klimaanlagen arbeiten aber nicht konstant, sodass sie das Prüfergebnis in nicht reproduzierbarer Art beeinflussen können. Die Verbrauchsangaben sind daher zuverlässiger und besser vergleichbar, wenn die Klimaanlagen bei der Verbrauchsmessung ausgeschaltet sind.

3. Der im NEFZ ermittelte Normverbrauch kann bei optimaler Fahrweise erreicht werden, wenn das Fahrzeug nicht unter erschwerten Bedingungen, wie z. B. häufiger Kurzstreckenverkehr, eingesetzt wird. Wenn in der Praxis der Verbrauch höher liegt, so kann dies die Fahrzeugführer und -führerinnen vielmehr dazu animieren, ihren Fahrstil so zu korrigieren, dass die Normverbrauchsangaben möglichst eingehalten werden.

4. Beim NEFZ handelt es sich um einen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft (EG) harmonisierten Fahrzyklus, der Bestandteil des europäischen Rechtes ist. Bezüglich der technischen Vorschriften von Motorwagen bestehen im Rahmen der bilateralen Abkommen gegenseitige vertragliche Vereinbarungen mit der EG. Diese haben zur Konsequenz, dass Motorwagen, die diesen Vorschriften entsprechen, grundsätzlich ohne zusätzliche Prüfungen auch in der Schweiz zuzulassen sind. Ein Erlass einer schweizerischen Vorschrift, welche eine zusätzliche oder eine spezielle Verbrauchsprüfung verlangt, würde eine Divergenz zu diesen Abkommen schaffen.

5. Die verschiedenen Motorradmodelle unterscheiden sich in ihren Motorleistungen massiv. Würde man dieses unterschiedliche Leistungsspektrum mit einem einzigen Fahrzyklus abdecken, würde entweder bei kleinen Motorrädern nur das Vollgasverhalten geprüft oder bei grossen Motorrädern nur das Verhalten im niedrigen Lastbereich. Deswegen sind hier unterschiedliche Fahrzyklen sinnvoll.

Im Gegensatz dazu können Motorwagen – mit wenigen Ausnahmen – einen Fahrzyklus mit Spitzengeschwindigkeiten bis 120 Stundenkilometer problemlos absolvieren. Der grosse Vorteil dieses Vorgehens liegt in der Vergleichbarkeit aller damit getesteten Motorwagen. Mit unterschiedlichen Fahrzyklen hingegen würde dies verunmöglicht.

6. Im Rahmen der United Nations Economic Commission for Europe wird an einem weltweit harmonisierten Zyklus für leichte Motorwagen gearbeitet, der den neuesten Stand der Technik darstellen soll (Worldwide harmonised Light vehicles Test Procedures, WLTP). Bei der Entwicklung dieses neuen Zyklus werden u. a. auch Erkenntnisse aus dem Common Artemis Driving Cycle berücksichtigt. Die Europäische Union möchte den WLTP-Zyklus möglichst schon auf das Jahr 2014 einführen und damit den NEFZ ablösen. Es ist vorgesehen, dass die Schweiz den neuen Zyklus zeitgleich übernehmen wird.

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