Kostbare Pflege

  • 09. Mai 2007
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Bea Heim in der Zeitschrift „VPOD Dialog“ (=>als PDF) , Nr. 33, 2007, Seite 3

Was steht im Zentrum der heutigen Gesundheitspolitik? – Das Wohl der Schweizer Bevölkerung, müsste man annehmen, die gute medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten,die Bedürfnisse der Kranken.
Falsch geraten: Es sind die Kosten!

Die Politik dreht eine Sparrunde nach der andern. Sie setzt den Hebel jeweils dortan, wo die Lobby am schwächsten ist: bei den psychisch Kranken, den älteren Menschen und auch bei der Pflege. Der Mangel an Wertschätzung gegenüberden Pflegefachleuten in der Akutund Alterspflege oder der Spitex, wo die Pflegenden das Administrative oft in ihrer Freizeit erledigen, macht mich betroffen.

In vielen Pflegebereichen ist das Personal chronisch überlastet, und dies bei einer Entlöhnung, die, gemessen an den Anforderungen und an der Verantwortung, die dieser Beruf abverlangt, alles andere als überrissen ist.
Dabei ist unsere Gesellschaft auf die Fachlichkeit der Pflege dringend angewiesen. Das zeigte sich in unserem erfolgreichen Kampf für faire Arbeitsbedingungen im Kanton Solothurn in der Zeit des Pflegenotstands, der Demos und Bleistiftstreiks. Das brachte den Durchbruch, damals. Und heute? In der Frühlingssession hat sich der Nationalrat durch die Einführung von schweizweit vergleichbaren Fallpauschalen in der Vorlage «Spitalfinanzierung » einmal mehr im Sparen geübt. Zu wessen Lasten wird diese Art der Kostenminimierung wohl gehen?

Pflegefachleute warnen zu Recht vor möglichen Fehlsteuerungen, vor der Gefahr «blutiger Entlassungen» und dem bekannten «Drehtüreffekt». Für mich ist klar, es darf nicht zur Unterversorgung von Menschen mit schweren und chronischen Krankheiten kommen. Und es darf auch nicht sein, dass einmal mehr das ohnehin unter starker physischer und psychischer Belastung stehende Pflegepersonal unter dem Spardruck zu leiden hat. Darum fordert die SP flankierende Massnahmen bei der Einführung von DRGs (Diagnosebezogene Fallgruppen), die Sicherung fairer Arbeitsbedingungen und einer nachweislich guten Versorgungsqualität. Dazu gehört, dass verantwortliche Pflegefachpersonen zum Beispiel bei Entlassungsentscheiden ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Die Bevölkerung erwartet eine umfassende und qualitativ hochstehende Behandlung und Pflege während 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Das Pflegefachpersonal ist bereit, sich mit hohem Engagement und Berufsethos dafür einzusetzen. Es verlangt aber auch, dass die Politik verlässliche Rahmenbedingungen für faire und gesunde Arbeitsbedingungen sichert. Zu Recht!

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