JA zur Gentechfrei-Initiative – JA zu Natur-Pur!

  • 23. Oktober 2005
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Die Landwirte brauchen sie nicht und die KonsumentInnen wollen sie nicht. Quer durch die Schweizer Bevölkerung herrscht Einigkeit. Die grosse Mehrheit KonsumentInnen wollen weder Gentechröschti noch Gentechpolenta auf dem Teller und auch keine Gentech auf dem Acker.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, fordern Bauern, Nahrungsmittelproduzenten, Konsumenten- und Umweltorganisationen einen 5-jährigen Verzicht, ein Moratorium betr.:
den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft und der Verwendung gentechnisch veränderter Tiere in der Lebensmittelproduktion.
Die Initiative ist im Rekordtempo zustande gekommen. 99 Stände- und NationalrätInnen unterstützen die Gentechfrei-Initiative. In den Kantonen haben sich über 1300 PolitikerInnen aus allen Parteien in die Gentechfrei-Komitees eingeschrieben.
Noch ist die Schweizer Landwirtschaft frei von gentechnisch veränderten Organismen. Das kann sich bald ändern. Denn das am 1.1.04 in Kraft getretene Gentech-Gesetz erlaubt den Anbau von GVO’s in der Schweiz. Noch wurde bisher kein Bewilligungsgesuch eingereicht. Doch wenn die BürgerInnen, KonsumentInnen und Bauern die Sache nicht an die Hand nehmen, könnte sich diese Situation rasch ändern.

GENTECH-Produkte verteuern die Lebensmittel
Klar ist: der Einzug der Gentechnologie in den Lebensmittelbereich würde die Produkte insgesamt verteuern: – auch die gentechfreien Produkte. Es fallen nämlich zusätzliche Kosten an bei der Produktion, wenn Saatgut und Ernteprodukte getrennt werden müssen, beim Transport, bei der Verarbeitung… Überall entsteht durch die Warenflusstrennung zusätzlicher Kontrollaufwand. Niemand will aber, dass unsere Lebensmittel teurer werden, vor allem nicht, wenn der Grund etwas ist, was die grosse Mehrheit der Konsumentenschaft gar nicht wünscht, nämlich Gentech-Produkte. Vertreter der Lebensmittelbranche, wie der Weichkäsefabrikant Stephan Baer betonen, nur bei einer klaren Trennung zwischen natürlicher und Gentech-Produkten, kann das Vertrauen der Konsumenten und deren Wahlfreiheit erhalten werden.

Das Nebeneinander von Gentech- und von natürlicher Produktion ist Illusion
Es ist bis heute ungeklärt, wie in der kleinräumig strukturierten Schweizer Landwirtschaft das propagierte Nebeneinander von Gentech- und von gentechfreier Landwirtschaft möglich sein soll. Pflanzen verbreiten sich über Pollen, die vom Wind oder von Insekten weggetragen weitere Pflanzen bestäuben. So kommt es zu Kreuzungen mit anderen Pflanzen, auch bei Gentech-Pflanzen. Auch ihre Pollen machen keinen Halt an der Parzellengrenze, im Gegenteil, sie verbreiten sich je nach Pflanze und Bestäubungsart, Windstärke und topographischen Bedingungen über sehr weite Distanzen. Ein Nebeneinander von Bio –und Gentech-Produktion verlangt darum Sicherheitsdistanzen, z.B. Mais über 1000 km / Kartoffeln 10 km / Roggen mind. 2 km
Man stelle sich den Abklärungs- und Vertragsaufwand vor, diese Bürokratie, die der Bauer betreiben müsste für Vereinbarungen mit den umliegenden Bauern in der nahen und fernen Nachbarschaft. Kann der Bauer eine Kontamination nicht verhindern, hat er verloren, die Produktion und die Kundschaft.

Riskantes Spiel mit der Natur
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist mit dem Naturschutz unvereinbar. Gentech-Kulturen sind Monokulturen. Umfangreiche Studien in Grossbritannien zeigen, dass der notwendige intensive Einsatz chemischer Hilfsmittel schwerwiegende Folgen für Wildpflanzen, Insekten und Vögel hat. (Bohan et al. 2005; Royal Society 2005) Viele Konsumenten und Konsumentinnen setzen sich als Mitglied von Naturschutzorganisationen für die Artenvielfalt in unserem Land ein.
Riskantes Spiel auch mit unserer Gesundheit?
Konsumentinnen und Konsumenten sind bei Milch und Fleisch besonders vorsichtig. Angst um die Gesundheit wie bei der BSE-Seuche (Rinderwahn), wo Schlachtabfälle im Viehfutter lange als unbedenklich galten, will niemand mehr erleben. Gesundheitliche Risiken, die aus der Anwendung der Gentechnologie resultieren könnten, sind nicht erforscht. Man weiss zu wenig. Darum braucht es das 5-Jährige Moratorium, um die Unbedenklichkeit oder eben die Risiken verlässlicher zu beurteilen.

Forschung im Interesse der Konsumentenschaft – mehr Risikoforschung
Das Moratorium verhindert die Forschung nicht. Es beschränkt sich auf die kommerzielle Nutzung von gentechnisch veränderten Nutztieren, Saatgut und Pflanzen. Für die Forschung im Labor mit Gentech-Organismen in geschlossenen Systemen, selbst die kontrollierte Freisetzungen zu Versuchszwecken auf eingegrenzten Parzellen, unterstehen nicht dem Moratorium, sondern wie bisher dem Gentechnik-Gesetz und dessen Kriterien. Die Initiative verlangt nichts anderes als den Status Quo um 5 Jahre zu verlängern.
Es geht nicht darum Forschung zu verhindern. Im Gegenteil, das Moratorium ist ein Auftrag, Chancen und Risiken im Interesse der Konsumentenschaft besser zu erforschen.

Natur Pur als Schweizer Qualitätslabel
Das Schweizer Volk hat Mitte 90-ger Jahre die Weichen für eine naturnahe, ökologische Landwirtschaft gestellt. Der Markt will keine Gentech-Lebensmittel, weder der Schweizer noch der europäische Markt. Ich bin überzeugt, die Schweizer Landwirtschaft hat in Zukunft im In- und Ausland dann am meisten Chancen, wenn sie auf die natürliche Produktion setzt. Das Moratorium garantiert den Bauern, dass sie auch in Zukunft auf Natur-Pur“ setzen können. Auch die Lebensmittelbranche sieht darin ihren Wettbewerbsvorteil. Das Label „Herkunft Schweiz“ soll für folgende Produktionsweise stehen: ökologisch, aus artgerechter Tierhaltung und garantiert gentechfrei.
KonsumentInnen kaufen mit Schweizer Lebensmitteln echte, natürliche Schweizer Qualität. 
Die Zukunft der Schweizer Lebensmittelproduktion liegt nicht in der Gentechnologie sondern im Vertrauen darauf, dass auf Schweizer Qualität Verlass ist. Ein JA zum 5-Jährigen Mora-torium stärkt dieses Vertrauen in die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelbranche, ein JA bringt ganz klar einen Gewinn für unser Image.

Kein Mittel gegen die Armut in der 3. Welt
Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft sowohl in der Schweiz als auch in den ärmeren Ländern der südlichen Hemisphäre. Die Behauptung, mit der Gentechnologie könne der Hunger auf der Welt bekämpft werden tönt zwar gut, aber sie ist falsch. Die Gentechnologie zielt auf die Patentierung von Pflanzen und Tieren ab. D.h. die Bäuerinnen und Bauern verlieren ein weiteres Stück ihrer Autonomie. Sie können Saatgut aus der eigenen Ernte nicht mehr weiter verwenden. Die Landwirtschaft gerät in die Abhängigkeit der Mulits. Die wirtschaftlichen Folgen für die Bauern in diesen Ländern ist die, dass sie gänzlich verarmen.

Ich setze mich stellvertretend für die Mehrheit der Konsumentenschaft aus ökologischen, gesundheitspolitischen und ökonomischen Gründen, aber auch aus globaler Verantwortung für dieses Moratorium ein.

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