Grundlegend aufräumen bei der Post

  • 05. März 2018
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Grundlegend aufräumen bei der Post

Der Postauto-Bschiss beschäftigt das Land. Das Management machte Gewinnvorgaben, die nicht auf ehrlichem Weg erreicht werden konnten. Darum wurden Zahlen frisiert und zu hohe Subventionen kassiert – die Verantwortlichen liessen über Jahre Gewinne aus dem subventionierten Bereich verschwinden und in der Rechnung des nicht-subventionierten Teils wieder auftauchen. Insgesamt über 90 Millionen Franken, 13 davon hat das Bundesamt für Verkehr bereits früher zurückgefordert, aktuell geht es noch um 78 Millionen Franken.

Ein Beispiel von rund 200’000 Schummel-Buchungen: Um die Gewinne zu verschieben, wurden etwa Pneus verbucht, die gar nie angeschafft worden waren. Das ist ein Kriminalfall erster Güte – und wird jetzt vom Bundesamt für Polizei untersucht. Das ist richtig, die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Doch die Tricksereien rund um die Postautos sind nur eines der Symptome einer grundsätzlichen Fehlentwicklung bei der Post. Aus einem vielleicht etwas langweiligen, aber grundsoliden Grundversorger wurde ein von oben auf Profit getrimmter Konzern im Besitz der Allgemeinheit. Darunter leiden die Konsumentinnen und Konsumenten, weil Dienstleistungen abgebaut werden, darunter leiden aber auch die Mitarbeitenden, deren Arbeitsbedingungen sich stetig verschlechtern. In den vergangenen Jahren wurden Hunderte Stellen gestrichen und weitere Hunderte «ausgelagert». Wer seine Stelle behalten konnte, musste zu wesentlich schlechteren Bedingungen arbeiten: weniger Lohn, höhere Arbeitszeiten. Einzig zu sich selber schaute die Post-Spitze gut: zwischen 2006 und 2016 stiegen die obersten Löhne um 24 Prozent.

Jetzt kommt aus: Auch bei den Poststellen rechnet das Post-Kader offensichtlich mit – gelinde gesagt – eigenwilligen Zahlen. Die Ergebnisse der Poststellen werden gezielt schlechtgerechnet, um sie schliessen zu können. Damit das funktioniert, kalkuliert die Post unter anderem mit einem Zielwert von nur noch 800 bis 900 Poststellen, das heisst einem Netz, das es allerdings in der Realität (noch) gar nicht gibt. Folge: das Defizit der existierenden Filialen wächst auf dem Papier. Die Leidtragenden dieses Buchhaltungstricks sind die Kundinnen und Kunden und die Mitarbeitenden, die um ihre Jobs bangen.

Grundsätzliche Probleme muss man grundsätzlich lösen. Deshalb sollten wir den Buchungsskandal zum Anlass nehmen, den Service public wieder richtig zu definieren. Die Post (wie auch die SBB) gehören zur Infrastruktur des Landes. Sie müssen der der Allgemeinheit dienen. Sie müssen nicht um jeden Preis rentieren, sie müssen funktionieren. Sie müssen gute Dienstleistungen zu anständigen Arbeitsbedingungen erbringen. Dazu braucht es an der Spitze keine Boni getriebenen Managerinnen und Manager, sondern umsichtige Generaldirektorinnen und Generaldirektoren, die nicht mehr verdienen als ein Bundesrat.

PS: Anmerkung, die für unsere Region von Bedeutung sein kann
Die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard sagte im Nationalrat: „Die Post hat gesagt, wenn man mit den 30 Gemeinden bei denen der Entscheid (betr. Poststellenschliessung) noch offen ist, keine Lösung findet, werde sie auch nicht gegen den politischen Willen Poststellen schliessen.“ Kommentar Bea Heim: politischer Widerstand könnte sich lohnen und eine ungewollte Schliessung verhindern! An alle, die ihre Post behalten wollen: Also los!

Bild: Von Taxiarchos228 – Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15364390

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